Mittwoch, 20. September 2017

Löschen statt schlafen

Falls sich jemand am Wochenende gefragt hat, weshalb so viel Feuerwehr im Dorf unterwegs war und Rauch aus der Tür der alten Dorfschule stieg: Der Nachwuchs der Brandretter hatte seinen Berufsfeuerwehr-Tag. 24 Stunden lang ab Freitag, 16 Uhr, schlüpften 22 zwölf- bis 17-jährigen Saerbecker in die Rolle professioneller Feuerwehrleute. Erstmalig mit dabei: sieben Nachwuchskräfte aus Tecklenburg. Die fast ebenso vielen Betreuer und Ausbilder um Jugendfeuerwehrwart Robert Laumann scheuchten die Jungen und Mädchen gehörig kreuz und quer durch die Gemeinde und durch ganz unterschiedliche Einsatzarten.

Viel Schlaf war nicht zu bekommen nach der inszenierten „Schichtübergabe“ am Gerätehaus am Freitagnachmittag. Und auch für die Punkte Gerätehauspflege und Dienstsport blieb nicht allzu viel Zeit. Für die per Los ihren Posten zugeteilten Jugendfeuerwehrleute gab reichlich spannendere Herausforderungen.

► 18 Uhr, Betriebsgelände „Schöne Werbung“ am Rheinsalm: die Halle brennt, Verletzte, jemand muss mit der Drehleiter aus Emsdetten aus dem Obergeschoss gerettet werden. Erster Lohn der Mühe: eine Fahrt aufwärts in 30 Meter Höhe.

► 21 Uhr: Autounfall im Bioenergiepark, eine Radladerschaufel liegt auf Motorhaube und Windschutzscheibe, zwei Menschen eingeklemmt, ein Kind ist weggelaufen. Für die Jugendfeuerwehr ist das eine Gelegenheit, die besonders schwierige Bergung aus Autos zu üben, unter Anleitung und Aufsicht mit Hydraulikspreizer und –schere. Die anschließende Nachtruhe war kaum eine, denn um…

► 23.30 Uhr schlägt die Brandmeldeanlage der Gesamtschule an. Es gilt, sich im Gebäude anhand der Brandmeldekarten zu orientieren.

► Um 3.30 Uhr wird es richtig heiß. Schon traditionell meldet Albert Sundermann, eigentlich Löschzugführer Dorf, dass es bei ihm brennt. Und weil es beim Berufsfeuerwehr-Tag vor zwei Jahren nicht lange und heiß genug brannte, liegen dieses Mal ein paar Strohballen mehr im Holzstapel.

► Weiter geht es fast im Stundentakt: Der frühmorgens als vermisst gemeldete Egon am Badesee stellt sich als Affe heraus, der mit Bananen aus dem Wald gelockt wird. Dem Frühstück folgen eine Ölspur aus Kakao am Bevergerner Damm und fast gleichzeitig Hackschnitzel auf einem Weg in Westladbergen. Und als sich die Jugendfeuerwehr nach der Bergung von zwei verunglückten Quadfahrern in einer Sandgrube aus dem Schlamm freigekämpft hat, brennt eine Scheune. Nach dem Mittagessen geht es in den Endspurt mit einer fest steckenden Person und einem Kellerbrand unter der Bücherei.

Die jungen Leute stellten sich dieser strapaziösen Herausforderung freiwillig und mit viel Energie, wollten sogar noch länger. Nach der Einsatzstafette und vielleicht fünf Stunden Ruhe in drei Häppchen wirkten sie allerdings am Samstagnachmittag redlich erschöpft. Getreu der Zielsetzung ihrer Betreuer machten sie möglichst alles selbst, von der Wasserversorgung bis zum Einweisen der Drehleiter und der Einsatzleitung. Die Saerbecker Jugendfeuerwehr veranstaltet alle zwei Jahre einen solchen Berufsfeuerwehr-Tag.

Drucken E-Mail